Survival-Tipps fürs Krankenhaus

Ein Muss für meine Krankenhaustasche: unser Otter :)
Ein Muss für meine Krankenhaustasche: unser Otter 🙂

Eine Schwangerschaft dauert rund 40 Wochen. In dieser Zeit bereitet man sich mehr oder weniger intensiv auf die Geburt vor. Im Normalfall bleibt man anschließend an die Geburt (zumindest beim ersten Kind) einige Tage im Krankenhaus. Bei all der Aufregung, Anspannung und Vorfreude auf das Baby sollte man also nicht darauf vergessen, sich auch auf die zwei bis drei Tage im Krankenhaus etwas vorzubereiten.

Gleich mal vorweg: jede Frau ist anders, jede Schwangerschaft ist anders und überhaupt – jede Geburt ist anders. Dieser Beitrag spiegelt wie immer meine Erfahrung wider und dient im Idealfall als Unterstützung für werdende Mamis und auch ein bisschen zur Unterhaltung – auch für nicht-schwangere Frauen und Männer (an dieser Stelle einen schönen Gruß an meine beiden Kolleginnen, die sich letztens als treue Leserinnen geoutet haben 😀 ).

Ich packe meine Tasche…nicht

Zur Vorbereitung auf die Geburt habe ich gemeinsam mit meinem Mann einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Warum? Weil man’s halt macht. Und auch weil wir uns neue Informationen erhofft haben. Der Nachmittag war nett – die Geburt hätten wir ohne Kurs aber auch geschafft. Dennoch denke ich, dass so ein Kurs für Paare, die zum ersten Mal Eltern werden, trotzdem empfehlenswert ist. Man kann sich mit anderen Paaren austauschen (sofern man das möchte 😀 ), den Erfahrungen der Hebamme lauschen, Geburtspositionen ausprobieren und Fragen stellen.

Die Schwangerschaft war zum Zeitpunkt des Kurses zum Großteil vorüber – das nächste große Ereignis war bereits die Geburt. Dass man anschließend an die Geburt ein paar Tage im Krankenhaus ist habe ich lange verdrängt. Seit ich mich erinnern kann musste ich noch nie im Krankenhaus übernachten. Ich konnte mir also auch nur schwer vorstellen wie das sein wird. Auch beim Geburtsvorbereitungskurs war der Krankenhausaufenthalt kein Thema und so habe ich lange einfach nicht darüber nachgedacht, was ich dafür einpacken sollte.

Mein Mann wurde gegen Ende der Schwangerschaft dann aber doch etwas nervös und hat mich täglich daran erinnert, dass ich doch endlich die Tasche packen sollte. „Na gut“ habe ich mir in der 37. Schwangerschaftswoche schließlich gedacht und eine kleine Reisetasche aus dem Kasten geholt. Diese stand dann im Wohnzimmer – ohne Inhalt. In der 38. Schwangerschaftswoche fasste mein Mann schließlich den Entschluss, dass er mit dem Packen der Tasche beginnt. 😀

Nachdem er alle notwendigen Dokumente zusammengesucht hatte sah er mich fragend an und meinte „Okay, ich glaube den Rest musst du selbst einpacken“.

Was muss mit?!

Um meinen Mann zu beruhigen, habe ich mich tags darauf tatsächlich zum Tasche packen aufgerafft (immerhin war sie in der 39. SSW dann auch endlich fertig gepackt 😀 ). Nur – was muss mit?! Ich hatte die Packliste einer Freundin, überlegte was ich daheim jeden Tag an Gewand und Hygieneartikeln benutze und was die besonderen Umstände eventuell erfordern könnten. Am Ende wurde die Tasche zu klein, denn plötzlich fallen einem hundert Dinge ein, die man ja eventuell, unter Umständen, womöglich brauchen könnte.

Wir machten uns schließlich mit einer überfüllten Tasche, bei der der Reißverschluss nicht mehr zuging, auf den Weg ins Krankenhaus. Circa 60% des Inhalts habe ich zum ersten Mal zuhause wieder aus der Tasche genommen. Und trotzdem musste mich mein Mann einmal beliefern, weil ich natürlich nicht an alles gedacht hatte. Hauptsache ich hatte einen Haufen T-Shirts mit, von denen ich genau zwei getragen habe.

Also, was wird benötigt um die zwei, drei Tage nach der Geburt im Krankenhaus zu überleben? Gar nicht so viel 😀

  • die klassischen Hygieneartikel, die man täglich verwendet: Zahnbürste, Zahnpasta, Zahnseide …
  • Pflegeprodukte: für mich sind das Feuchtigkeitscreme, Augentropfen, Labello, Haarbürste und Deo (ganz wichtig! im Krankenhaus ist es sehr warm und das viele Schwitzen hinterlässt seine Spuren…und Gerüche). Für andere vielleicht noch zusätzlich Gesichtswasser, Anti-Falten-Creme…
  • Duschutensilien: Shampoo, Balsam, Duschgel, Waschlappen (ja, ich weiß, niemand verwendet mehr einen Waschlappen – ich bin da vermutlich ein seltenes Exemplar), Badeschlapfen, Badetuch (anders als beim All-inklusiv Urlaub ist es ins Krankenhaus mitzubringen…daran hab ich auch nicht gedacht).
  • Schlapfen: für dich und den Mann. So kann auch er seine Schuhe ausziehen, wenn er dich und das Baby besuchen kommt.
  • Kleidung: für tagsüber und nachts. Dabei gilt: es soll bequem sein! Und wenn das bedeutet, dass du dafür deine ausgeleierte Lieblingsjogginghose und dein löchriges Lieblingsshirt einpacken musst, dann ist das so 😉
  • Still-BH: bitte daran denken, dass die Brust durch den Milcheinschuss riiiesig werden kann – am besten eine Nummer größer kaufen.
  • Kleidung und Hygieneartikel für den Mann: falls die Geburt etwas länger dauert kann sich der Mann zwischendurch frisch machen. Da unsere Geburt eher flott ging, war die Zahnbürste überflüssig. Das Ersatzleiberl haben wir trotzdem gebraucht, denn unser kleines Mädchen hat kurz nach der Geburt gleich mal die erste Darmentleerung vorgenommen – in den Armen des frischgebackenen Papas.
  • Trinkflasche: die ist sowohl während der Geburt wie auch für die Tage danach praktisch. So hat man immer Wasser griffbereit und die Gefahr, dass man in seinem Dusel etwas verschüttet ist bei der geschlossenen Flasche geringer als bei einem Glas.
  • Ladekabel: damit das Smartphone immer genügend Akku hat um das Neugeborene alle zwei Minuten aus jedem erdenklichen Winkel fotografieren zu können 🙂
  • Lieblingsotter: Okay, der war vielleicht nur für uns ein Muss 😉

Was kann zuhause bleiben?

Du hast gerade mühevoll ein Kind zur Welt gebracht – das darf man dir auch ansehen. Lass die Wimperntusche und das Rouge zuhause, du wirst die zwei, drei Tage (und die folgenden Wochen und Monate 😀 ) auch gut ohne auskommen.

Worauf du noch verzichten kannst? Auf ganz viel 😀

  • Make-Up in jeglicher Form: lass deine Hautunreinheiten und Augenringe so sein wie sie sind. Deine Besucher werden ohnehin nur Augen für das Kind haben und dem Krankenhauspersonal ist es egal, wenn man deine Pickel sieht.
  • Lange Jogginghosen: es wird im Krankenhaus gefühlte 35 Grad Raumtemperatur haben und vermutlich bescheren dir die Hormone auch den ein oder anderen Schweißausbruch. Da darf es eher kurz und knapp sein. Mein Tipp: kurze, weite Hosen aus Sweatshirt-Stoff.
  • Unterhosen: die riesigen Einlagen passen sowieso nicht in deine Unterwäsche. Du wirst im Laufe der Geburt bzw danach ein Netzhöschen bekommen, welches zwar nicht sexy aber total bequem ist. Einfach anlassen (bei mir gab es am WC Ersatzhöschen) und damit auch nach Hause fahren.
  • 10 verschiedene T-Shirts: am ersten Tag kannst du bedenkenlos den weißen Kittel vom Krankenhaus tragen, falls du nach der Geburt einen erhältst. Vorteil: er ist untenrum schön luftig. Danach eignen sich am besten Trägerleiberl. Zum Stillen kannst du einfach den Träger runterschieben und sitzt nicht mit nacktem Oberkörper da (falls dir das unangenehm wäre). Alle anderen T-Shirts kannst du gleich zuhause lassen.
  • 5 verschiedene Babyoutfits: unser Kind hat das erste Mal nach der Abschlussuntersuchung – also vor der Entlassung – eigene Kleidung getragen. Davor haben wir Bodys und Strampler vom Krankenhaus verwendet. Vorteil: nach dem Umziehen einfach in den Kleidersack werfen und das Krankenhaus kümmert sich ums Waschen.
  • Geburtsoutfit: ich habe mir extra ein Nachthemd, das man auch aufknöpfen kann, für die Geburt gekauft. Angehabt habe ich bis kurz vor Schluss mein T-Shirt, mit dem ich ins Krankenhaus gefahren bin.
  • Zeitschriften: mein Mann hat mir nach der Geburt welche gekauft, weil ich ihn darum gebeten habe. Warum? Ich dachte ich hätte Lust auf Klatsch und Tratsch. Die Realität sah so aus, dass ich entweder unser kleines Baby anhimmelte, es stillte (und dabei anhimmelte), Besuch da war (der das Baby anhimmelte), versuchte zu schlafen (und dabei das schlafende Baby neben mir anhimmelte) oder mir die Zeit am Smartphone vertrieb (um Fotos vom Baby zu verschicken, damit es auch andere anhimmeln können 😀 ).
  • Essen: oft liest man, dass man sich etwas zu essen einpacken soll, falls die Geburt länger dauert. Ganz ehrlich – essen war so ziemlich das Letzte, an das ich gedacht habe (bis auf die 3x, als ich im Kreißsaal über der Kloschüssel hing und mich von meinem Abendessen verabschiedete). Aber auch mein Mann hätte keinen Bissen runtergebracht. Ich fand diesen Vorschlag im Vorhinein bereits seltsam und habe nichts zu Essen eingepackt. Für die Tage nach der Geburt wird man dann ohnehin vom Krankenhaus versorgt (und meine Familie hat mich mit haufenweise Knabbereien und Süßigkeiten beliefert, weil ich darauf so lange verzichten musste 😀 ).

Was du sonst noch wissen solltest

Versuche tagsüber zu schlafen

Die Nächte im Krankenhaus waren nicht sehr erholsam – und das, obwohl es 2er-Zimmer waren, ich eine Nacht das Zimmer komplett für mich hatte und die weiteren Nächte eine schwangere Frau bei mir lag, die ihr Kind erst erwartete. Die Wände sind dünn, manch unzufriedenem Baby ist das aber egal. So kann es passieren, dass man nachts minutenlanges, bitterliches Weinen aus dem Nebenzimmer hört. Und weint das eigene Kind und ist durch nichts zu beruhigen, dann kann man schon mal ins Schwitzen kommen (noch mehr als man ohnehin schon schwitzt, weils so heiß drinnen ist). Immerhin weiß man, dass das Weinen bis ins Nebenzimmer (und vielleicht noch weiter) zu hören ist.

Die wenigen Stunden zwischen zwei Stilleinheiten habe ich – auch wenn das eigene Kind geschlafen hat – somit oft wach verbracht. Umso wichtiger ist es, tagsüber, wenn man müde wird und das Kind schläft, etwas Schlaf nachzuholen!

Nicht nur von deinem Kind wird eine funktionierende Verdauung erwartet

Neugeborene müssen innerhalb einer bestimmten Zeit die Funktionsfähigkeit ihrer Verdauung sowie ihrer Blase unter Beweis stellen. Aber auch von mir wurde erwartet, dass die Verdauung nach der Geburt wieder in Schwung kommt. Mit der Frage „Hatten Sie schon Stuhl?“ habe ich nicht gerechnet (und vermutlich dementsprechend irritiert dreingeschaut). Ich hoffte, dass ich dieses Thema in Ruhe zuhause angehen kann. Aufgrund der Geburtsverletzungen hatte ich ehrlicherweise etwas Schiss (oder eben auch nicht 😀 ).

Einen Kaffee und eine Sitzung am Klo später war das Thema dann aber zum Glück schon erledigt. Mein Tipp: am besten dann gehen, wenn der Mann zu Besuch ist (und nur der Mann – niemand möchte sich mit diesem Thema auseinandersetzen, wenn nur eine dünne Wand entfernt die ganze Großfamilie versammelt ist), dann kann man sich auf diese eine Sache konzentrieren und dabei Zeit lassen, während das Baby vom Papa umsorgt wird.

Man sorgt sich um dich – die Privatsphäre muss sich kurzzeitig hinten anstellen

Eine Geburt ist anstrengend – ich kann mir vorstellen, dass viele danach mit ihrem Kreislauf Probleme haben. Ich blieb davon zum Glück verschont, dennoch hat man auf mich geschaut und mich das erste Mal nach der Geburt auf die Toilette begleitet. Und wisst ihr was – es hat mich nicht gestört. Im Gegenteil, ich war froh, dass mir jemand dabei half, die riesigen Einlagen zu wechseln 😀

Die weiteren Toilettengänge absolvierte ich dann wieder alleine. Jedoch wurde ich gebeten, dass ich das erste Mal bei Anwesenheit einer weiteren Person duschen gehe und die Türe nicht abschließe. Ich war dann duschen während mein Mann zu Besuch war.

Für alle, die im Bad gerne alleine sind klingt das vielleicht abschreckend. Ich steh auch nicht auf Zuseher, es hat mich aber in dem Moment nicht gestört. Und vermutlich sind die meisten Frauen in dieser Situation froh, wenn man ein Auge auf sie hat. Sollte doch der Kreislauf versagen ist sofort Hilfe zur Stelle.

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