Ruhige Momente nutzen

Einfach mal die Gedanken schweifen lassen und in die Ferne schauen
Einfach mal die Gedanken schweifen lassen und in die Ferne schauen

Stress ist ein ständiger Begleiter in der heutigen Zeit. Egal ob in der Arbeit oder Privat, wir hetzen von einem Termin zum Nächsten. Besprechungen, Abstimmungsgespräche für weitere Besprechungen, Dienstreisen, Arztbesuche, Familienfeiern und vieles mehr muss sorgfältig geplant und verwaltet werden, damit sich am Ende alles ausgeht und kein Terminchaos entsteht.

Da bleibt nicht viel Zeit um mal runter zu kommen und auszuspannen. Denn all zu oft verplanen wir auch komplette Wochenenden. Plötzlich stellt man fest, dass man die halbe Verwandtschaft schon lange nicht mehr besucht hat und verbringt Samstage und Sonntage damit, die Familienangehörigen in ganz Österreich abzuklappern. Wenns mal wo was zu Erben gibt wirken sich die sporadischen Besuche vielleicht sogar positiv aus, aber seiner Gesundheit tut man mit dem zusätzlichen Stress nichts Gutes. Abgesehen von der Aufregung beim Autofahren (zumindest wenn man so schnell auf 180 ist wie ich – mit dem Puls wohlgemerkt, nicht mit den km/h! Wie auch, wenn man ständig hinter Menschen fährt, die Angst vor der erlaubten Höchstgeschwindigkeit haben und vorsichtshalber mindestens 30 km/h langsamer fahren als erlaubt ist) kommt die Aufregung beim Besuch selbst dazu. Meistens fällt einem erst auf, warum man die Verwandten so lange nicht besucht hat, wenn es schon zu spät ist. Spätestens wenn wieder mal die uralten familiären Skandale von früher diskutiert werden und man sich die Krankengeschichte der Nachbarin von gegenüber anhören muss, bereut man, dass man die Distanz zur Verwandtschaft nicht gewahrt hat.

Umso wichtiger ist es, dass man die kurzen, ruhigen Momente zwischendurch nutzt, um für einen Augenblick die Gedanken schweifen zu lassen und das Drumherum zu vergessen. Oft übersehen wir die Möglichkeiten, die uns dafür geboten werden. Man muss nicht jede Mittagspause eine halbe Stunde mit den Kollegen Essen gehen, wenn man ohnehin mit ihnen im Zimmer sitzt oder zwischendurch beim Kaffeetrinken plaudert. Diese Zeit kann man nutzen, indem man sich Essen vorbereitet, das nicht aufgewärmt werden muss und damit mittags allein in den Park geht und sich in die Sonne setzt. Da freut sich auch der Vitamin D – Haushalt. 🙂

Auch der nach Hause Weg ist bestens dafür geeignet, um kurz abzuschalten und nichts zu tun. Vorausgesetzt natürlich, man ist mit den Öffis unterwegs und muss kein Auto lenken. Fahre ich nach der Arbeit direkt nach Hause, gehe ich zu Fuß zur U-Bahn anstatt mit der Bim zu fahren. In diesen 10 Minuten gehe ich oft gedankenverloren durch den 20. Wiener Gemeindebezirk, beobachte die Menschen auf der Straße und erfreue mich (je nach Jahreszeit) über die bunten Blätter an den Bäumen, den knirschenden Schnee unter meinen Füßen, die ersten blühenden Blumen oder die warmen Sonnenstrahlen.

Wir sind auch nicht verpflichtet in der U-Bahn das Smartphone in die Hand zu nehmen und darauf rumzutippen – auch wenns manchmal den Anschein macht. Keiner kann verstehen warum ich gerne mit der U6 fahre, aber es gibt tatsächlich einen Grund. Wenn ich aus dem Fenster sehe kann ich die Stadt und das Treiben auf den Straßen beobachten. Schau ich in der U3 aus dem Fenster seh ich eine dunkle Tunnelwand und ab und zu mal (meistens recht unschöne) Wandmalereien, die von wagemutigen/lebensmüden Personen dort angebracht wurden.

Aktuell bin ich am Heimweg von einer Dienstreise. Am Hinweg habe ich die vier Stunden Reisezeit hauptsächlich lesend verbracht. Ich habe ein Fußballmagazin abonniert, das monatlich erscheint. Der Stapel der ungelesenen Exemplare wurde in den letzten Monaten immer höher. Diesen Stapel habe ich in meinen Koffer verfrachtet und mittlerweile ist er um zwei Exemplare geschrumpft. Zwischendurch habe ich immer wieder in die Ferne geblickt und mich an der Natur erfreut. Mir wurde wieder mal bewusst, in welch schönem Land wir wohnen. Die erste halbe Stunde der Heimreise verbrachte ich damit, dienstliche Unterlagen zu lesen. Und jetzt verfasse ich meinen nächsten Blog-Eintrag. Für manche mag das unnötig und überflüssig sein, für Menschen die gerne schreiben ist es allerdings etwas Schönes und trägt tatsächlich zur Entspannung bei.

Auch die freie Zeit zwischen den Terminen habe ich genutzt um runter zu kommen. Gestern Abend habe ich einen kleinen Spaziergang durch die Stadt unternommen. Das mache ich auch in Wien manchmal. Ich liebe es, plan- und ziellos durch die Gegend zu spazieren und schöne Hausfassaden oder architektonisch außergewöhnliche Häuser zu bewundern und Menschen und Tiere zu beobachten. Zum Missfallen meiner Bekannten kann ich an keinem Hund vorbeigehen ohne ihn anzusprechen – ich kann allerdings sehr gut mit dieser „Schwäche“ leben.

Ich bin mir sicher, bei jedem gibt es zwischendurch Momente, die genutzt werden können um kurz den Alltag zu vergessen. Seid mutig und lasst die Gedanken schweifen – ihr werdet es nicht bereuen!

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