Leben – und leben lassen!


Seit Monaten häufen sich die schlechten Nachrichten. Kaum ein Tag, an dem es nicht irgendeine Schreckensmeldung von unmenschlichen, tragischen oder verstörenden Ereignissen gibt. Eigentlich fühle ich mich in unserem kleinen, beschaulichen Österreich sehr gut aufgehoben. Auch wenn ich manchmal bezweifle, dass ich im richtigen Land geboren wurde. Irgendwie bin ich zu weit weg vom Meer…

Gerade nach den letzten Tagen und dem was in Frankreich und der Türkei passiert ist, frage ich mich, wie es wohl weiter gehen wird. Ich brauche bei sowas immer mindestens zwei Tage, bis ich mich von dem „erholte“ habe, was ich im TV gesehen und gehört habe. Nicht nur, dass die Hintergründe für normale Menschen meistens nicht nachvollziehbar sind und der Hass gegenüber den Attentätern riesig ist, diese Idioten nehmen sich das Recht, anderen das Leben zu nehmen.

Für mich ist es schon unverständlich, dass man andere Menschen bestiehlt. Wieso hätte jemand das Recht, mir etwas, das ich mir gekauft habe, einfach wegzunehmen? Zum Glück ist mir so etwas bis jetzt erspart geblieben. Aber dass sich jemand das Recht nimmt, einem anderen das Leben zu nehmen, ist schlichtweg eine Frechheit! Neben zahlreichen Kindern sind unter den Opfern auch viele andere Menschen, die ihr Leben noch vor sich hatten. Berufliche Aufstiege, private Wünsche – alles Pläne, die nicht mehr erfüllt werden konnten. Eltern, die von einem Moment auf den nächsten ihre Kinder verloren, Jugendliche, die von jetzt auf gleich (Halb)Waisen wurden oder Paare – ob jung oder alt – die plötzlich das Leben ohne Partner meistern müssen. Es ist schrecklich und für Außenstehende gar nicht nachvollziehbar, wie groß die Trauer und der Hass auf jene Menschen sein muss, die einem durch so etwas Sinnloses das Leben zerstören.

Momentan ist meine größte Hoffnung, dass ich nie einen Menschen, der mir nahe steht, durch so eine Dummheit verlieren muss.

Aber auch im Alltag lauern viele Gefahren, die das Leben unerwartet beeinflussen oder beenden können. Unachtsame Autofahrer oder technische Probleme können schwerwiegende Folgen haben. Aber man muss sich nicht mal auf die Straße begeben. „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt“ – ich denke in dieser Aussage steckt sehr viel Wahres. Liegengelassene Gegenstände, quer durch den Raum gespannte Ladekabel oder rutschige Fliesen werden täglichen vielen Menschen zum Verhängnis. Zum Glück selten mit tödlichen Folgen! Auch wenn es paranoid klingt, aber ich habe großen Respekt vor allem, das mit Strom betrieben wird. Ich schalte selbst beim Glühbirne wechseln den Strom ab. Eine Bekanntschaft mit der Stromleitung stell ich mir nicht sehr lustig vor.

Man weiß nicht ob man die Liebsten abends wieder sieht, wenn man morgens das Haus verlässt. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass man ganz verschreckt und eingeschüchtert durch die Welt geht. Aber man sollte zumindest hin und wieder daran denken und sich auch dementsprechend verhalten. Nur weil ich einen schlechten Tag hatte muss ich nicht das nächste Waffengeschäft leer kaufen und auf der Straße wahllos Personen erschießen. Nur weil jemand nicht meiner Meinung ist, muss ich ihm gegenüber nicht gleich handgreiflich werden und ihn im Streit (versehentlich) so schwer verletzen, dass er sein Leben dafür lassen muss. Gerade solche Geschichten machen mich immer sehr traurig. Oft denke ich an die junge Frau, die im Vorjahr in Deutschland vor einem Fastfood-Lokal einen Streit schlichten wollte und von einem der Beteiligten so kräftig weggestoßen wurde, dass sie zu Boden fiel, sich den Kopf aufschlug und wenig später verstarb.

Wo bleibt der Respekt? Hat man durch das Internet, in dem es offenbar keine Hemmschwellen mehr gibt, jeglichen Respekt auch im echten Leben verloren? Das fängt bereits damit an, dass Jugendliche das Grüßen offenbar verlernt haben. Vom Anwenden richtiger Grammatik und eines annähernd korrekten Satzbaus will ich gar nicht erst sprechen. Ja, die Zeiten haben sich geändert, aber immer noch gilt: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu! Viel zu schnell und viel zu oft verlieren Menschen die Nerven und riskieren mit ihren Aktionen unnötig das Leben anderer.

Was geht in Menschen vor, die der Meinung sind, es ist richtig im Namen ihrer Religion zu töten? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Sinn und Zweck einer Religion und eines Glaubens sein soll. Von mir aus soll ein Mensch neben mir in der U-Bahn ein Kopftuch tragen, wenn er oder sie das freiwillig und gerne für den Glauben macht. Ich habe aber kein Interesse daran, dass ich aus Glaubensgründen anderer mitsamt der U-Bahn und den restlichen Fahrgästen in die Luft gesprengt werde. Und wieder sind wir bei derselben Frage: Wer gibt jemandem das Recht, sowas zu tun? „Andersgläubige“ als „Ungläubige“ zu bezeichnen und dafür zu sorgen, dass diese aus dem Leben scheiden.

Viel zu gerne ignoriere ich tragische Vorfälle, die im Ausland passieren. Die Distanz macht es möglich. Dennoch lassen sie mich – wie man lesen kann – nicht kalt. Ich gehe nicht mehr ganz so unbeschwert wie früher auf große Veranstaltungen. Und auch beim Betreten der U-Bahn überkommt mich manchmal ein Anflug von Unwohlsein. Aber ich werde mich sicher nicht zuhause einschließen und das Leben an mir vorüber ziehen lassen. Dennoch habe ich etwas geändert. Moment – nein – nicht ich habe es geändert, es ist von ganz alleine passiert. Und zwar betrifft es meinen Umgang mit meiner Familie und Freunden. Meine Mama erwischt bei ihren Anrufen nicht immer einen guten Moment. Wenn ich bei gefühlten 40 Grad verschwitzt in der U-Bahn durch Wien fahre kann ich am Telefon schon mal ziemlich unfreundlich sein. Auch wenn die Mama gar nichts dafür kann. Das Gespräch ist noch nicht mal zu Ende, da überkommt mich auch schon das schlechte Gewissen. Intensiv suche ich dann nach einem Grund, warum ich sie zurückrufen könnte und bin beim nächsten Telefonat besonders freundlich und aufmerksam. Gelegentlich können auch Meinungsverschiedenheiten dazu führen, dass man sich (verbal!!) Dinge an den Kopf wirft, die man später bereut. Auch wenn ich im Recht war und es eigentlich Aufgabe des andern wäre, sich zu entschuldigen und mir entgegen zu kommen, versuche ich spätestens am nächsten Tag die schlechte Stimmung wieder zu vertreiben und den Streit vergessen zu lassen. Viel zu wichtig ist mir die Harmonie, die heutzutage oftmals Unwichtig erscheint. Es ist nicht immer einfach über seinen Schatten zu springen, Fehler einzugestehen und auf andere zuzugehen – aber es ist ein Zeichen von Stärke!

Habt Respekt vor dem Leben – vor allem dem Leben anderer! Man muss nicht jeden und alles mögen oder verstehen, aber man muss auch nicht versuchen, mit Gewalt seine Meinung durchzusetzen. Was hab ich davon, wenn nur noch Menschen übrig sind, die alle dieselbe Meinung vertreten. Jeder Mensch ist ein Individuum mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen. Weil man sich über eine Sache einig ist, heißt das nicht, dass es keine Differenzen mehr gibt. Wetter, Sport, TV-Programm – es gibt so viele Themen die Streitpotential beinhalten.

Ein klein bisschen weniger Unzufriedenheit und dafür ein bisschen mehr Respekt, Liebe und Gelassenheit – und wir können einer guten und friedlichen Zukunft entgegenblicken!

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