Krisenmanagement


In dem Unternehmen in dem ich arbeite gibt es ein Krisenmanagement, für den Fall, dass Probleme auftreten, die die Erfüllung der Arbeitsaufgaben beeinträchtigen. Klingt übertrieben? Ja, könnte man annehmen. Macht im Fall der Fälle aber Sinn.

Vor kurzem musste ich feststellen, dass es auch für kleine Unternehmen Sinn macht. Auch für ganz kleine Unternehmen. Für Einzelunternehmen um genauer zu sein. Es kommt natürlich auf den Unternehmenszweck an. Aber ich denke Potential für kleinere und größere Krisen gibt es überall. Auch bei mir.

Sollte es tatsächlich mal was werden mit meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit, dann bin ich für die Herstellung meiner Produkte auf maschinelle Unterstützung angewiesen. Da kann so einiges passieren, das die Herstellung verzögert. Manches kann man nicht beeinflussen, für manches kann man aber vorsorgen. Hier ein paar Punkte, die Potential für eine Krise bieten und die man auf jeden Fall bedenken sollte. Im Idealfall findet man bereits im Vorfeld Lösungen für den Ernstfall. Die roten Punkte sind jene, die besonders rasch und unerwartet eintreten können. Die restlichen Themen sind meist absehbar.

Stromausfall: Wenn man sich kein Notstromaggregat zulegen möchte, dann muss man einen Stromausfall aussitzen. Wenn die technischen Hilfsmittel transportfähig sind hat man zur Not die Möglichkeit, alles zusammenzupacken und sich bei Familie oder Freunden unterzumieten, wenn es dort Strom gibt. Hier ist abzuwägen, ob sich der Aufwand lohnt. In unseren Breitenkreisen werden Stromausfälle zum Glück sehr rasch behoben. Im Normalfall kann man diesen also aussitzen bzw die Zeit für ein Nickerchen oder Brainstorming nutzen.

technisches Gebrechen: Das ist Bitter! Und damit habe ich aktuell zu kämpfen. Kleinere Defekte können entweder selbst oder vom Fachmann zeitnah behoben werden. Größere oder unklare Probleme müssen oft vom Experten behoben werden. Wenn man keine riesigen Betriebsanlagen hat, die vor Ort zu reparieren sind, dann werden die Geräte oft eingeschickt. Das steht mir wahrscheinlich bevor. Ich bin gespannt, wie lang ich auf meinen fleißigen Helfer verzichten muss. Und was soll ich sagen – ich versuch mich nicht zu ärgern, aber gerade jetzt hätte ich die Möglichkeit gehabt, außerhalb des Bekanntenkreises etwas an den Mann bzw die Frau zu bringen und so etwas kostenlose Werbung für mich zu machen. Hinzu kommt, dass ich gestern von einer Freundin neue Ideen für Produkte erhalten habe und am Liebsten loslegen würde. Aber da muss ich mich jetzt in Geduld üben. So gar nicht meins…

Materialengpass: Planung, Planung und nochmal Planung. Unerwartetes kann immer passieren, aber mit präziser Planung kann man eigenverschuldete Materialengpässe abfangen. Vorab sollte man sich bewusst sein, wie viel Material für ein Produkt nötig ist. Wenn man bestimmtes Material nicht mehr erhält bzw nicht mehr genügend lagernd hat und auch zeitnah keine Möglichkeit hat, neues Material zu beschaffen, dann sollte man die Interessenten darüber informieren (zB auf der Website). Neben der Angabe, wann das Produkt wieder verfügbar ist, kann man die Möglichkeit nutzen und auf ein anderes, ähnliches/gleichwertiges Produkt verweisen.

Stammkunden fallen weg: Vorab muss man natürlich Stammkunden haben, die regelmäßig einkaufen. Das kommt auf das Produkt oder die Dienstleistung an. Manche Produkte benötigt man halt einfach nicht jede Woche. Hier kann man entgegenwirken, indem man verschiedene Produkte anbietet. Zusätzlich sollte man die Kunden dazu animieren, die Produkte als Geschenke zu verwenden, wenn das Produkte/die Dienstleistung dazu geeignet ist (vielleicht auch Geschenkgutscheine anbieten!). Man wird nicht alle Kunden halten können, aber das Ungünstigste, das passieren kann, ist der Wegfall von Kunden aufgrund schlechter Qualität! Der Wegfall von Kunden ist schade und bei manchen kann man es nicht verhindern, aber niemals sollte es an mangelhafter Qualität liegen. Daher: auf hochwertige Materialen und genaue Arbeitsweise achten!

Transport: Ich glaube, das funktioniert in unserem Land sehr gut. Über die Preise kann man zwar manchmal nur den Kopf schütteln, aber mal ehrlich: wenn ich mit dem Auto von Wien nach Innsbruck fahre um ein Päckchen zu überbringen, dann kommt mir das mit Sicherheit teurer als die paar Euro, die die Post dafür verlangt. Auch über die Geschwindigkeit kann man nicht klagen. Ich habe Donnerstag gegen Mittag am Selbstbedienungsterminal der Post ein Päckchen aufgegeben, Freitag Vormittag war es bereits beim Empfänger. Dennoch: wenn sich Kunden mehrfach über lange Wartezeiten oder beschädigte Pakete beschweren, dann muss man dem nachgehen. Es wäre schade, wenn man aus diesem Grund Kunden verliert. Ich habe für mich übrigens beschlossen, dass ich (vor allem aufgrund rechtlicher Vorgaben im Fernabsatz) nur innerhalb Österreichs verkaufe.

Krankheit: Besonders bei Einzelunternehmen ist das ein schwerwiegendes Thema. Hat man genügend Vorrat und keine speziellen Anfragen, dann kann man seine Produkte auch verkaufen, wenn man eine Woche flach liegt. Bietet man allerdings Dienstleistungen an und hat niemanden, der als Vertretung einspringen kann, dann muss man für die Dauer der Krankheit „zusperren“. Auch hier wichtig: die Kunden darüber informieren! Ein guter Ratschlag für all jene, die der Meinung sind, dass man auch krank noch arbeiten kann: nicht nur der Körper sondern auch die Qualität leiden darunter – erst gesund werden, dann wieder motiviert loslegen.

Serverausfall: Vor allem für Unternehmen, die ausschließlich über das Internet verkaufen, ist ein Serverausfall ein Super-GAU. Die Behebung dieses Problems hat dann oberste Priorität – Fachmann kontaktieren und beheben lassen!

Geldmangel: Läuft es mal nicht so wie es soll, dann können die finanziellen Mittel ganz schnell knapp werden. Läuft der Verkauf schleppend, dann möchte man die potentiellen Kunden mit schönen Exponaten überzeugen. Das bedeutet, dass Materialen verbraucht werden und die Kosten nicht umgehend durch den Verkauf gedeckt werden. Zusätzlich fallen Kosten für Werbung an – vor allem, wenn man zB eine Messeteilnahme in Betracht zieht um auf sich aufmerksam zu machen. Bei manchen Produkten oder Dienstleistungen eignen sich kostenlose Proben, die Interessierte zum Kauf anregen sollen. Auch hier entsteht Aufwand, der nicht sofort gedeckt wird.

Zeitmangel: Wenn man sein Unternehmen nebenbei betreibt, dann muss Zeit aufgebracht werden um sich darum zu kümmern. Läuft das Unternehmen sehr gut, dann kann diese Zeit schnell knapp werden. Ich empfehle, vorab darüber nachzudenken und festzulegen, ob das Unternehmen dann bewusst klein gehalten wird oder ob man in Erwägung zieht, seinen 40h-Job hinter sich zu lassen und sich voll und ganz der Selbstständigkeit zu widmen.

Trends ändern sich: Ebenso wie der Zeitmangel ist eine Trendwende keine Krise, die akut eintritt. Beides ist bei genauer Beobachtung absehbar. Es gibt Produkte und Dienstleistungen, die jeder Trendwende Stand halten. Aber es gibt auch viele Produkte, die eine „Modeerscheinung“ sind und ein halbes Jahr später niemanden mehr interessieren. Man muss sich in so einer Situation eingestehen können, das etwas geändert werden muss. Und nein, Produkte dann einfach günstiger verkaufen ist nicht die richtige Lösung. Die Materialkosten sind ja immer noch die selben. Der Preis ist im ganzen System das letzte Zahnrad an dem man dreht!

Wahrscheinlich gibt es noch weitere Themen, die bedacht werden müssen. Das sind aber die Wichtigsten, die mir im Moment einfallen. Ein Unternehmen zu gründen ist – wie im letzten Beitrag beschrieben – nicht die große Herausforderung. Das Unternehmen zum Laufen zu bringen und auch gut durch turbulente Zeiten zu bringen – das ist die größte Schwierigkeit. Und auch wenn es gut läuft, es können immer unerwartete Ereignisse eintreten. Wenn ihr euch aber vorab Gedanken darüber macht, dann meistert ihr Krisenfälle im Vorbeigehen. 🙂

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