Kosten und Zeit – rentiert es sich?


Ich versuche das ganze Thema mal von einer anderen Seite anzugehen. Rentiert sich der Aufwand für die nebenberufliche Selbstständigkeit überhaupt? Durch die Anmeldung eines Gewerbes entstehen neue Fixkosten, die monatlich anfallen. Diese gilt es (auch ohne Einnahmen) zu decken.

Gleich mal vorne weg: die Gründung selbst ist für Neugründer finanziell machbar. Dank des Neugründungs-Förderungsgesetzes (NeuFöG) werden einem Neugründer viele Kosten erlassen. Voraussetzung ist, dass eine neue betriebliche Struktur geschaffen wird und der Inhaber in den letzten fünf Jahren in keiner vergleichbaren Art und Weise tätig war. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind kann man sich von der Wirtschaftskammer ein Formular ausstellen lassen. Dieses Formular kann man anschließend vorlegen, wenn Kosten anfallen würden – wodurch diese dann entfallen. Dazu zählt zB der Entfall der Stempelgebühren, der Bundesverwaltungsabgabe, der Gerichtsgebühr für die Eintragung ins Firmenbuch oder aber auch Begünstigung bei Lohnnebenkosten, wenn man Angestellte hat.

Für die Gewerbeanmeldung eines Einzelunternehmers (EUR 47,30), den Auszug aus dem Gewerberegister (EUR 7,20 Bundesgebühr sowie EUR 2,10 Bundesverwaltungsabgabe) und etwaige Beilagen (EUR 3,90 pro Bogen) fallen rund EUR 60,00 für die Gründung an, die dem Neugründer erlassen werden. Zur Eintragung ins Firmenbuch ist man als Einzelunternehmer erst verpflichtet, wenn man in zwei aufeinander folgenden Jahren einen Umsatz von mehr als EUR 700.000,00 erzielt (oder in einem Jahr einen Umsatz von mehr als EUR 1.000.000,00). Man kann sich dennoch freiwillig ins Firmenbuch eintragen lassen. Die Kosten in der Höhe von ca. EUR 90,00 entfallen für den Neugründer bei Vorlage des Formulars.

Gesetzlich vorgeschriebene laufende Kosten halten sich vor allem für Kleinunternehmer (jährlicher Umsatz unter EUR 30.000,00) in Grenzen. Diese können sich von der Zahlung der Pensions- und Krankenversicherung freistellen lassen, sodass nur die Unfallversicherung (EUR 9,33/Monat) verbleibt. Hierzu ist bei der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft ein Antrag zu stellen. Das macht jedoch nur Sinn, wenn man nebenbei selbstständig ist, da so aus der unselbstständigen Tätigkeit die Absicherung in der Kranken- und Pensionsversicherung gegeben ist.

Hinzu kommt fallweise Miete, wenn eigens Räumlichkeiten angemietet werden um die Selbstständigkeit auszuüben. Und in Zeiten wie diesen auch Kosten für den Onlineauftritt. Während zB eine Facebook-Seite kostenlos ist, fallen für den Betrieb einer Website Kosten an. Für den Webspace meines Blogs zahle ich rund EUR 8,00 pro Monat, für die Domain (also den Namen der Website) EUR 3,00 pro Monat. Der Kauf der Domain kostete EUR 36,00.

Nicht zu vergessen sind einmalige Anschaffungskosten, die abhängig von der Art der Leistung unterschiedlich sind. Jemand, der ein neues Grundstück ankauft hat logischerweise höhere Anschaffungskosten als jemand, der in den eigenen vier Wänden und ohne Spezialmaschinen produzieren kann. Neben den laufenden Kosten sollten also vor allem die Anschaffungskosten gut durchdacht sein. Hier rate ich zu einem Businessplan, selbst wenn man kein Geld von der Bank benötigt. Man setzt sich viel intensiver mit dem Vorhaben auseinander und denkt auch über Themen nach, an die man ohne Businessplan nie gedacht hätte.

Wozu aber auch der Businessplan nicht anregt, was aber dennoch gut durchdacht sein sollte – ich nenne es einfach mal „laufender Zeitaufwand“. Ich denke der administrative Zeitaufwand bleibt über die Jahre gleich. Setzt man sich zu Beginn vor allem mit der Gründung und der ersten Kundenakquise auseinander, benötigt man danach die Zeit um sich über Optimierungen, Kontaktpflege und neue Produkte Gedanken zu machen. Der Zeitaufwand für die Produktion steigt mit der Anzahl der Anfragen. Für mich vergleichbar mit dem Materialaufwand – auch dieser steigt mit der Nachfrage. Zu beachten ist nur: der Materialaufwand kann nachträglich durch Umsatz gedeckt werden – vergangene Zeit nicht.

Mein Fazit: die Gründung selbst sowie die laufenden Kosten für einen Einzelunternehmer bzw einen Kleinunternehmer (der keine hohen Anschaffungskosten hat) sind Dank des NeuFöG und dem Erlass der Pensions- und Krankenversicherung leistbar. Wenn man das Ganze nebenbei macht wird eher die Zeit zum Problem. Hier gilt es für sich zu entscheiden, ob es einem der zeitliche Aufwand wert ist.

Quelle:

https://www.ris.bka.gv.at

https://www.usp.gv.at

https://www.wko.at

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