(K)ein Grund zu feiern


Gestern auf den Tag genau haben meine Ausbildung und ich unser dreimonatiges Bestehen gefeiert. Jedoch war es nicht annähernd so schön und emotional wie man es im ersten Moment vielleicht meinen könnte. Anstatt leckerer Torte und Sekt gab es Aspirin, Taschentücher und einen dicken Fragenkatalog. Es ist unschwer zu erkennen, die erste Phase, in der alles super läuft, ist endgültig vorbei und plötzlich schleichen sich die ersten Zweifel ein.

Begonnen hat alles letzten Samstag, als ich abends plötzlich ein unangenehmes Kratzen in der Rachengegend vernommen habe und mir kurz darauf selbst eingestehen musste, dass es sich um Halsschmerzen handelt. In guter Hoffnung, dass eine Runde Schlaf das schon wieder richten würde, ging ich ins Bett. Am nächsten Morgen musste ich jedoch feststellen, dass eine Runde Schlaf nichts besser, sondern alles schlechter gemacht hat. Ich sah mich also gezwungen, den Tag zuhause auf der Couch zu verbringen.

Abwechselnd starrte ich in den Fernseher und meinen Fragenkatalog, der mir wieder bewusst machte, dass die nächste Prüfung fast schon vor der Tür steht. Nach gefühlten 5 Liter Tee bin ich nachmittags, erschöpft vom Fernsehen und dem Versuch zu lernen, eingeschlafen. Als ich wieder wach wurde musste ich feststellen, dass die Halsschmerzen Gesellschaft bekommen haben – eine laufende Nase. Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich mich der Müdigkeit hingegeben habe und bildete mir ein, dass ich ohne Schlaf der laufenden Nase sicher entkommen wäre.

Wie zu erwarten, wachte ich am nächsten Morgen in einem noch schlechteren Zustand auf. Mit den leichten, aber beständigen Kopfschmerzen war die Verkühlung nun perfekt. Etwas abwesend brachte ich den Arbeitstag hinter mich und fiel danach erschöpft ins Bett. Mittlerweile war ich genervt, da ich den Nachmittag eigentlich im Fitnessstudio und nicht im Bett verbringen wollte. Meine Stimmung wurde noch schlechter, als ich den Fragenkatalog nach fünf Minuten wieder weglegte, weil ich viel zu müde war um zu lernen. Warum hab ich mir diese Ausbildung nur angetan??

Das Schwimmen Dienstag Früh musste ich widerwillig ebenfalls sausen lassen – mein Hausverstand, der mir fast schon entgegenbrüllte, dass ich mich ruhig verhalten und auskurieren soll, hätte mich nicht davon abhalten können – die Kopfschmerzen allerdings schon. Ich fuhr dann, wie dienstags üblich, gegen viertel neun in die Arbeit. Merkte aber schon am Hinweg, dass ich nicht meine gewohnte Routine hatte. Den Arbeitstag habe ich dann relativ gut gemeistert und auch die anschließenden vier Stunden in der Ausbildung vergingen sehr rasch und waren auch sehr spannend. Zusätzlich sind auch die Kopfschmerzen im Laufe des Tages fast verschwunden und meine Stimmung begann wieder besser zu werden. Doch am Abend wurde mir endgültig bewusst, dass es wohl nicht meine Woche wird. Um 22:15 Uhr stand ich etwas planlos vor der Haustür und musste feststellen, dass mein Wohnungsschlüssel, den ich immer auf den Beifahrersitz lege, noch im Auto lag, mit dem ich morgens in die Arbeit gefahren bin. Ich konnte fast dabei zusehen, wie mein Stimmungsbarometer von Minute zu Minute weiter sank. Eine Fahrt mit der U-Bahn durch die halbe Stadt und eine Retourfahrt mit dem Auto später, war ich um 23:30 Uhr endlich in meiner Wohnung.

Nachdem meine Laune am Mittwoch kaum noch zum Aushalten war, stand für mich eines fest: ich muss endlich wieder Sport machen. Da der Schnupfen ebenfalls schon seinen Rückzug angetreten hatte, konnte ich am Nachmittag endlich wieder ins Fitnessstudio gehen. Bereits am Heimweg war die Stimmung erheblich besser. Noch besser wurde sie jedoch heute, als ich feststellte, dass ich auch für das Schwimmen wieder fit genug bin und meine gewohnten 50 Minuten abtauchen konnte, bevor ich in die Arbeit fuhr.

Ein weiteres Stimmungshoch hatte ich im Laufe des Tages, als ich feststellte, dass doch schon einiges vom Gelernten hängen geblieben ist und ich gar nicht so weit zurückliege, wie ich gedacht hatte. Jedoch wechselt sich dieses Stimmungshoch mit Zweifeln ab, die aufkommen, sobald ich den dicken Fragenkatalog zur Hand nehme und all die noch ungelernten Seiten durchsehe.

Allerdings gab es heute auch ein Erfolgserlebnis. Da ich letzte Woche eine Idee hatte und diese in den letzten Tagen ausformulierte, konnte ich heute endlich mein Thema für die Diplomarbeit abgeben. Auch wenn ich den Aufwand, der da in den kommenden Monaten auf mich zukommen wird, noch gar nicht richtig einschätzen kann, bin ich froh, dass ich die erste Hürde endlich geschafft habe. Vielleicht gönne ich mir dafür heut Abend sogar ein Schlückchen Sekt. 🙂

 

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