Erfolg ist zweitrangig


Am 31.12.2014 habe ich überlegt, welche Weisheit ich meinen Freunden zum Jahreswechsel mitgeben könnte. Es musste etwas Persönliches sein, etwas das von Herzen kommt und vor allem etwas, das für das ganze folgende Jahr Gültigkeit behält. Also habe ich einen Vormittagsspaziergang dazu genutzt, mir Gedanken zu machen und mich dann für folgende Worte entschieden: „Erfolg ist zweitrangig. Familie und Freunde die hinter und zu einem stehen, Träume und Wünsche die in Erfüllung gehen – aber vor allem Gesundheit!“

Auch wenn man es oft nicht glauben kann (oder will), so nützt es nichts, wenn man seine Gesundheit aufs Spiel setzt nur um erfolgreich zu sein. Denn was hat man vom Erfolg, wenn die notwendige körperliche oder psychische Verfassung fehlt um ihn zu genießen. Gerade als selbstständiger Unternehmer trägt man sehr viel Verantwortung, sollte aber dennoch die Fähigkeit besitzen, nach einem 12-Stunden-Arbeitstag (oder mehr) abends die Gedanken an die Arbeit abzuschalten und die zur Verfügung stehende Zeit mit der Familie, mit Freunden oder auch alleine genießen. Dass das nicht so einfach ist, hat sicher jeder schon mal selbst gemerkt. Oft trägt man Stress, Unzufriedenheit oder Ärger von der Arbeit nach Hause. Familie und Freunde müssen sich dann anhören, wer oder was nicht aller blöd ist und warum sowieso überhaupt alles furchtbar ist. Und das oft tage-, wochen- oder monatelang.

Der Feierabend könnte nicht unerfreulicher starten, als mit einem Partner, der völlig genervt von der Arbeit nach Hause kommt. Sind wir unzufrieden, behalten wird das entweder für uns und sind für die anderen offensichtlich grundlos mies gelaunt oder wir lassen uns in voller Länge über die Probleme aus. Jeder wird sich – je nachdem wie er/sie gerade aufgelegt ist – mal für die eine und mal für die andere Variante entscheiden. Ich bevorzuge Variante zwei. Ist etwas vorgefallen, werden sofort die Mädels um Rat gebeten. Hier habe ich auch die erste Möglichkeit Dampf abzulassen. Ich habe rausgefunden, dass es besser ist, wenn ich erzähle welche Worte (oder Gegenstände) ich bestimmten Personen gerne an den Kopf werfen würde, anstatt es tatsächlich zu tun. 🙂 Ist der Ärger im Laufe des Tages nicht verflogen, dann wird er in den Feierabend mitgenommen. Wie ein schwerer Rucksack, den man nicht ablegen kann, hängt der Ärger an einem und genießt den Ausblick, während man ihn nach Hause trägt. Dort hat man nochmal die Möglichkeit, zwischen Variante eins und zwei zu wählen. Obwohl, es gäbe da noch eine dritte – den Rucksack einfach bis zum nächsten Morgen vor der Wohnungstür abstellen und den Ärger warten lassen. Aber mal ganz ehrlich, wer schafft das schon? Also tragen wir den schweren Rucksack durch die Wohnungstür und ermöglichen ihm so den Zugang zu unserem Privatleben. Ist der Ärger immer noch riesig, berichtet man die Vorkommnisse noch bevor man die Schuhe ausgezogen hat. Ist der Ärger zwar noch da, aber schon etwas weniger geworden oder ist man einfach so erledigt vom Tag, dass man nicht darüber sprechen möchte, dann wird man sich eher zurückhalten.

Doch genau hier lauert die Gefahr. Denn dem Ärger hat man ja großzügig die Wohnungstür geöffnet und so sitzt er beim Abendessen mit am Tisch und legt sich zum Fernsehen mit auf die Couch. Da reicht dann oft schon ein nicht abgewaschener Topf in der Küche, eine leere Verpackung, die den Weg nicht in den Mistkübel gefunden hat oder eine unerwartete Planänderung des Partners für den Abend und schon zuckt man aus, ohne es eigentlich zu wollen. Spätestens dann sollte man sich dazu entschließen, über den Ärger zu sprechen – und so weiteren (unnötigen) vermeiden.

Besonders in solchen Situationen ist es wichtig, dass man eine verständnisvolle Familie und geduldige Freunde hat. Sie geben einem die Zeit, sich den Ärger von der Seele zu reden und haben vielleicht sogar einen hilfreichen Ratschlag parat. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass man kurze Zeit später wieder positive Gedanken hat und einem vielleicht sogar ein Lächeln auskommt, wenn sie von ihrem eigenen Tag und dem ein oder anderen peinlichen Hoppala in der U-Bahn, bei der Arbeit oder beim Einkaufen berichten.

Mit dem Wissen der vergangenen acht Monate seit Jahresbeginn, mit all dem, was jedem persönlich wiederfährt und all den Dingen, die anderen wiederfahren und von denen man liest oder hört, würde ich meine Worte zum Jahreswechsel heute genauso nochmal an meine Familie und meine Freunde weitergeben.

In diesem Sinne: Genießt das Leben, umgebt euch mit Menschen, die gut für euch sind, habt Wünsche, Träume und Sehnsüchte, zerbrecht euch nicht tagelang über Kleinigkeiten den Kopf, lasst euch vom Ärger nicht unterkriegen – und bleibt gesund!

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