8 Dinge, die ich vor der Geburt gerne gewusst hätte

Bevor man sein kleines Wunder in den Armen halten kann, erlebt man als Frau – speziell als Erstgebärende – viele neue Situationen

In der ersten Schwangerschaft hat man 1.000 Fragen. Alles ist neu und ungewohnt. Mal zwickts hier, mal drückts dort und beim Betrachten des immer größer werdenden Bauches staunt man fast täglich über die Leistungsfähigkeit des weiblichen Körpers. Aber auch am Ende der Schwangerschaft – nämlich bei der Geburt – macht man unzählige neue Erfahrungen. Im Gegensatz zu den Wehwehchen in der Schwangerschaft hat man hier aus zeitlichen Gründen aber nicht bei allem die Gelegenheit Dr. Google um Rat zu fragen.

Man liest als Frau viel zum Thema Geburt, besucht Geburtsvorbereitungskurse, macht weitere geburtsvorbereitende Maßnahmen, spricht mit Frauen, die bereits Kinder haben und trotzdem fühlt man sich dann, wenn’s ernst wird, nicht wirklich vorbereitet.

Wann soll man sich am besten auf den Weg ins Krankenhaus machen? Werde ich es ohne Schmerzmittel schaffen? Das sind die klassischen Fragen, die sich viele Erstgebärende zum Thema Geburt stellen. Aber dann gibt’s da auch noch Dinge, über die man im Vorhinein gar nicht nachdenkt und so manches, über das man sich nur im Geheimen und für sich alleine Gedanken macht, weil man es mit Außenstehenden nicht besprechen möchte.

An dieser Stelle will ich ein paar Erfahrungen teilen, die vielleicht auch andere Erstgebärende machen werden. Heißt natürlich nicht, dass es jeder so geht und es jede gleich empfindet, aber vielleicht gibt’s die ein oder andere, der dadurch etwas geholfen werden kann. Und wenn es nur darum geht, sich nicht all zu blöd vorzukommen, weil man Wehen nicht sofort als solche erkennt. 😀

1. Wehen erkennen – eh ganz easy?!

Also für mich war es das nicht. 😀 Ich hatte das Glück mitzubekommen, dass sich der Schleimpfropfen, der den Muttermund verschließt, gelöst hat (das war morgens). Also rechnete ich schon damit, dass es bald was werden könnte. Abends gegen 20:00 Uhr bekam ich ein leichtes Ziehen im unteren Rücken und dachte im ersten Moment aber noch, dass es vielleicht ein Nierenstau sein könnte – nichts, worauf ich unbedingt Lust hatte. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass das Ziehen im Rücken bei einigen Frauen den Beginn der Geburt bedeutete.

Mit der Zeit breitete sich das Ziehen immer wieder bis in den Bauch aus. Da war mir klar, dass sich etwas tut. Jetzt musste nur noch der Abstand festgehalten werden – einfach, oder?! Nicht wirklich…

Was zählt als Wehe? Jedes Ziehen – auch wenn es nur im Rücken ist? Oder nur wenn es auch im Bauch zieht? Mein Mann hat noch schnell eine Wehen-App runtergeladen – die macht jedoch nur dann Sinn, wenn man weiß welches Zwicken und Drücken relevant ist. 😀 Gegen halb 12 in der Nacht habe ich im Krankenhaus angerufen und mich erkundigt. Es zählten nur jene Wehen, die auch im Bauch zu spüren waren. Und wegfahren sollten wir erst, wenn sie regelmäßig kommen und veratmet werden müssen. Das ist der Fall, wenn man sich während der Wehen nicht mehr unterhalten kann.

Ich habe also angefangen am Beginn jeder Wehe irgendetwas zu erzählen um festzustellen, ob ich noch reden kann. Ganz schön nervig – für mich und sicher auch ein bisschen für meinen Mann. 😀

2. Hoffentlich merke ich den Blasensprung

Ich hatte Sorge, dass das Fruchtwasser vielleicht tröpfchenweise abgehen könnte und ich es nicht mitbekomme. Da man gegen Ende der Schwangerschaft ca. alle 10 Minuten aufs WC muss und leichter Druck von aussen auf die Blase bereits dazu führt, dass sich das ein oder andere Tröpfchen auf den Weg macht, ist diese Sorge sicher berechtigt.

Erfahrungen zu einem tröpfchenweisen Fruchtwasserabgang kann ich an dieser Stelle nicht teilen. Meine Blase platzte während des CTGs im Krankenhaus – und zwar so richtig. Zum Glück ist das nicht am Weg ins Krankenhaus passiert. Zurückhalten ist hier nämlich nicht möglich und diese Überflutung hätte ich nur ungern auf dem Beifahrersitz gehabt (auch wenn ich während der Fahrt ins Krankenhaus vorsorglich auf einem Badetuch saß 😀 ). Also einen „normalen“ Blasensprung bekommt man auf jeden Fall mit, denn es strömt einfach ungebremst aus einem raus. Das versäumt man sicher nicht! 🙂

3. Nackt inmitten von vielen Angezogenen

Ja, darüber habe ich im Vorfeld oft nachgedacht. Wie werde ich mich fühlen, wenn ich mich nackt vor allen Anwesenden „präsentiere“. Ich habe mir noch ein Nachthemd gekauft, das ich eigentlich anziehen wollte und mit dem ich bei Bedarf auch am Gang spazieren gehen hätte können.

Während des Geburtsverlaufes habe ich mir über das Thema dann aber kein einziges Mal Gedanken gemacht. Ich habe auch mein Nachthemd nicht angezogen. Kurz nach der Ankunft im Krankenhaus habe ich für die Untersuchung meine Hose ausgezogen. Nach dem Blasensprung habe ich dann ein sexy Netzhöschen erhalten, in dem die riesigen Einlagen Platz hatten. Und so war ich bis kurz vor der Geburt auch angezogen. Als es dann ernst wurde und der erste Drang zum Pressen einsetzte kamen das Netzhöschen und das T-Shirt weg. Und nein – man macht sich auch dann keine Gedanken darüber, dass man fremden Menschen seinen nackten Hintern (in meinem Fall noch dazu mit einem riesigen blauen Bluterguss, weil ich ein paar Tage davor beim Treppen steigen unsanft darauf gelandet bin) entgegenstreckt. Man ist in diesem Moment sehr mit sich selbst beschäftigt und nimmt sein Umfeld auch nur vage wahr.

4. Ich glaub mich z’reißts…

Ja, das hab ich tatsächlich geglaubt. Und mich damit gedanklich etwas gebremst, was für die Geburt sicher nicht förderlich war. Vielleicht war es auch schmerzhafter, weil unser Mädchen einen Arm über dem Kopf hatte und sich dadurch etwas schwerer tat rauszukommen. Dadurch blieb ich auch von ein paar kleinen Rissen leider nicht verschont – vermutlich haben auch diese den Schmerz noch etwas verstärkt.

Jedenfalls möchte ich allen Erstgebärenden an dieser Stelle sagen: Ja, man glaubt es z’reißt einen – aber es passiert nicht. Also bitte keine Angst vorm Pressen haben, der weibliche Körper ist darauf ausgelegt so etwas durchzustehen. Im schlimmsten Fall gibt’s einen kleinen Damm- und/oder Scheidenriss, der anschließend genäht werden muss. Näheres dazu unter Punkt 7.

Und um noch etwas Mut zu machen: Meine Kurzzeit-Zimmernachbarin hat einen Riesen mit über 4 kg zur Welt gebracht und sie hat’s auch nicht zerrissen. Also es passiert wirklich nicht 😉

5. Nach der Geburt machen die Beine was sie wollen

Vermutlich lag es an der Anstrengung – eventuell ist es auch abhängig von der Position, in der man das Kind gebärt. In meinem Fall war es nach ein paar Positionswechseln in Rückenlage. Während der letzten Presswehen waren meine Beine angewinkelt und wurden nach hinten gedrückt – von der Hebamme und meinem Mann unter vollem Körpereinsatz. Nach der Geburt haben meine Beine dann unkontrolliert gezittert. Und das ziemlich lange – ich würde mal schätzen für mindestens 30 Minuten. Für die Hebammen war das normal, ich habe mich etwas erschrocken. Also: wenn die Beine zittern – es ist total normal!

6. Wie ist das mit der Nachgeburt?

Einige Zeit nach der Geburt wurde von der Hebamme mittels Druck auf den Bauch festgestellt, dass sich die Nachgeburt im Bauch bereits gelöst hat und nun raus kann. Ich hatte etwas Angst, aber diese war komplett unbegründet. Meine Beine hab ich angewinkelt am Bett aufgestellt und dann einmal kurz gepresst – und schon war die Nachgeburt heraussen. Komplett schmerzfrei – versprochen!

7. Was, wenn genäht werden muss?

Schwer zu sagen, ob meine geburtsvorbereitenden Maßnahmen schlimmeres verhindert haben oder ob sie gar keine Wirkung hatten und ich deshalb stellenweise gerissen bin. Vielleicht lag es aber auch am Arm überm Kopf – wie auch immer, es musste jedenfalls einiges wieder zusammengeflickt werden. Ich war nach der Geburt sehr empfindlich auf Berührungen und machte es dem Arzt sicher nicht leicht. Er mir aber auch nicht. Seine Kommentare reichten von „In ein paar Tagen ist das wieder gut“ bis „Na so eine blöde Stelle, wie soll ich da nur nähen“. In dieser Situation sind mir die wortkargen Männer dann doch lieber 😀

Die betroffenen Stellen wurden lokal betäubt – teilweise mit Spritze, teilweise mit Spray. An manchen Stellen wirkte die Betäubung nicht so gut, da spürte ich die „Nähnadel“. Dem Arzt war das bewusst (ich hab ihn aber vorsichtshalber trotzdem mit einem lauten „Aua!“ und einem bösen Blick darauf aufmerksam gemacht) und er hat sich auch brav dafür entschuldigt, aber es war zum Glück maximal ein einzelner Stich, den ich pro Naht spürte.

Man ist danach ca eine Woche relativ stark eingeschränkt was Sitzen und Aufstehen betrifft. Und auch Husten und Lachen waren nicht sehr angenehm. Nach ziemlich genau sieben Tagen war dann eine deutliche Besserung spürbar und beim Aufstehen und Hinsetzen hatten Außenstehende endlich kein Mitleid mehr mit mir.

Also, zusammenfassend: es ist nicht angenehm, aber aushaltbar!

8. „Die Schmerzen vergisst du sofort wieder, wenn du das Kind im Arm hast“

Nein. Einfach: Nein! Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es irgendeiner Frau so geht. Es dauert deutlich länger. Bei mir war nach etwa drei Wochen das erste Mal der Moment da in dem ich mir dachte „Ich weiß gar nicht mehr genau wie sich die Wehen angefühlt haben“. Der schlimmere Schmerz für mich war jedoch der „Ich glaub mich z’reißts“-Schmerz am Ende. Ich weiß zwar auch da nicht mehr genau wie es sich angefühlt hat, ich weiß aber, dass es sehr unangenehm war. Bis ich das verarbeitet habe müssen ehrlicherweise noch ein paar Wochen vergehen. Das Positive: dieser Schmerz dauert im Verhältnis zur gesamten Geburt nicht lange und vor allem weiß man, dass es gleich danach vorbei ist. Wenn man das Kind dann in Armen hält ist der Schmerz nicht vergessen, aber man sieht wofür man es getan hat. In unserem Fall für ein 3.252 Gramm schweres und 51 cm großes Mädchen, das uns zu stolzen und glücklichen Eltern gemacht hat.

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